Wohnungsbesichtigung Schweiz: Tipps
Wie Sie sich vorbereiten, worauf Sie achten und wie Sie ein Dossier vorlegen, das Vermieter ernst nehmen
Kurzantwort
Kommen Sie früh, bringen Sie ein vollständiges Bewerbungsdossier mit und prüfen Sie die Wohnung systematisch: Heizung, Lärm, Stauraum, Ausrichtung und bestehende Schäden. In umkämpften Märkten wie Genf, Zürich oder Lausanne ist eine Besichtigung zugleich ein Vorsprechen. Was Ihnen auffällt und was Sie vor Ort übergeben, zählt oft ebenso viel wie die Wohnung selbst.
Eine Wohnung in der Schweiz zu finden bedeutet meist, sich gegen andere durchzusetzen. Gefragte Adressen in Genf, Zürich, Lausanne, Basel und Zug ziehen regelmässig deutlich mehr Bewerbende an, als Wohnungen verfügbar sind, und ein einziger Besichtigungstermin wird oft mit einem Dutzend anderer Kandidatinnen und Kandidaten gleichzeitig geteilt.
Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie bei einer Wohnungsbesichtigung in der Schweiz achten sollten, welche Unterlagen Sie mitbringen sollten und welche kleinen Details darüber entscheiden, ob ein Dossier in die engere Auswahl kommt oder in der Ablage landet. Nichts davon ersetzt eine rechtliche oder vertragliche Beratung für Ihre konkrete Situation, aber es gibt Ihnen eine praktische Checkliste für Ihre ersten Besichtigungen.
Vor der Besichtigung: die richtige Vorbereitung
Besichtigungen in der Schweiz sind oft kurz, manchmal nur 10 bis 15 Minuten, und dicht getaktet mit anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Die Vorbereitung vor Ihrer Ankunft zählt mehr als das, was Sie während des Besuchs sagen.
Lesen Sie das Inserat sorgfältig und notieren Sie die offenen Fragen: Art der Heizung, Parkplatz, Keller- oder Stauraum, Kündigungsfrist des aktuellen Mieters und ob die Nebenkosten (charges comprises) im angegebenen Mietzins enthalten sind. Wer mit gezielten Fragen erscheint, signalisiert der Verwaltung oder dem Vermieter, dass er oder sie ein ernsthafter, organisierter Kandidat ist.
- Bestätigen Sie die genaue Adresse, das Stockwerk und den Besichtigungstermin schriftlich
- Bringen Sie eine gedruckte oder digitale Kopie Ihres Bewerbungsdossiers mit
- Bereiten Sie zwei oder drei konkrete Fragen zum Gebäude oder zum Mietvertrag vor
- Prüfen Sie im Voraus die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die üblichen Pendelzeiten
- Achten Sie darauf, ob das Inserat eine Garage, einen Keller oder einen Estrich-Stauraum erwähnt
Worauf Sie während der Besichtigung achten sollten
Ein kurzer Besuch lässt keine Zeit, um alles zu prüfen. Es hilft daher, die Wohnung in einer festen Reihenfolge abzugehen: Eingang, Küche, Badezimmer, Schlafzimmer, und Fenster und Heizung zuletzt, da diese mehr Zeit für eine gründliche Beurteilung erfordern.
Wasserdruck, Fensterisolation und Heizungsart werden bei einer stark besuchten Besichtigung leicht übersehen, wirken sich aber direkt auf Ihren Wohnkomfort und Ihre Nebenkosten im Winter aus. Bitten Sie, falls zugänglich, um Einsicht in den Zähler- oder Technikraum, und öffnen Sie ruhig ein paar Schränke und Wasserhähne.
Bauliche und technische Punkte
Das sind die Elemente, die nach dem Einzug teuer oder unmöglich zu ändern sind.
- Heizsystem (individuell oder zentral) und ob es in den Nebenkosten enthalten ist
- Doppelverglasung und allgemeiner Zustand der Fenster, besonders bei strassenseitigen Zimmern
- Wasserdruck in Küche und Badezimmer
- Mobilfunk- und Internetempfang in der Wohnung, besonders in älteren Gebäuden
- Tageslicht und Ausrichtung zu der Tageszeit, zu der Sie voraussichtlich zu Hause sein werden
Zustand und bestehende Schäden
In der Schweiz wird beim Einzug ein formelles Antrittsprotokoll (état des lieux d'entrée) erstellt. Mängel bereits bei der Besichtigung festzuhalten, hilft Ihnen aber, zu verhandeln oder schlicht zu entscheiden, ob Sie sich überhaupt bewerben wollen.
- Flecken, Risse oder Feuchtigkeitsstellen an Wänden und Decken
- Zustand des Bodenbelags, insbesondere Parkett, bei Fenstern und Heizkörpern
- Ob vorhandene Einrichtungen (Storen, Schränke, Lampen) in der Wohnung verbleiben
- Lärm von der Strasse, von Nachbarn oder von Gebäudetechnik wie Lift oder Lüftung
Der Wettbewerbsteil: ein Dossier zusammenstellen, das in die engere Wahl kommt
In gefragten Schweizer Städten ist selten die Wohnung selbst die Hürde, sondern die Auswahl unter vielen Bewerbenden. Verwaltungen und private Vermieter vergleichen typischerweise vollständige Dossiers nebeneinander, und ein unvollständiges wird oft ohne zweiten Blick beiseitegelegt, so gut die Besichtigung auch verlaufen ist.
Ein übliches Schweizer Mietdossier umfasst in der Regel einen Identitätsnachweis, einen Einkommensnachweis oder Arbeitsvertrag, einen aktuellen Betreibungsregisterauszug (extrait de l'office des poursuites) sowie, wo vorhanden, Referenzen einer früheren Vermieterschaft oder Verwaltung. Die Anforderungen variieren je nach Kanton und Vermieter, prüfen Sie deshalb stets die genaue im Inserat oder von der Verwaltung geforderte Liste.
Ein vollständiges, ansprechend präsentiertes Dossier rasch zusammenzustellen und zu wissen, welche Unterlagen eine bestimmte Verwaltung erwartet, ist genau der Punkt, an dem unsere Unterstützung bei Wohnungssuche und Besichtigungen für Neuankömmlinge, die die lokalen Gepflogenheiten des Mietmarkts noch nicht kennen, einen praktischen Unterschied macht.
Kostenlose Erstberatung anfordernWährend und nach der Besichtigung: Umgangsformen, die helfen
Pünktlichkeit wird erwartet und bemerkt; ein paar Minuten früher zu erscheinen ist sicherer als zu spät zu kommen, besonders wenn mehrere Kandidatinnen und Kandidaten dieselbe Wohnung innerhalb einer Stunde besichtigen.
Eine kurze, höfliche Nachricht nach der Besichtigung, die Ihr Interesse bekräftigt und bestätigt, dass Ihr Dossier bereit ist, ist üblich und kostet nichts. Verzichten Sie darauf, den Mietzins direkt bei der Besichtigung zu stark zu verhandeln: In einem umkämpften Markt wirken sich Preisgespräche selten zugunsten der Bewerbenden aus und können sogar schaden.
- Stellen Sie sich kurz vor und nennen Sie Ihr geplantes Einzugsdatum
- Machen Sie Fotos oder Notizen dezent und nicht während der Erklärungen der Maklerin oder des Maklers
- Fragen Sie, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist und ob das Dossier online eingereicht werden kann
- Melden Sie sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden zurück, wenn Sie weiterhin interessiert sind
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
Die meisten vermeidbaren Rückschläge entstehen durch Timing und Unterlagen, nicht durch die Wohnung selbst. Eine starke Kandidatur mit einem langsamen oder unvollständigen Dossier wird regelmässig von einer schwächeren überholt, die schneller und vollständiger bewirbt.
- Erst nach der Besichtigung beginnen, Einkommensnachweise oder Referenzen zu beschaffen
- Den Betreibungsregisterauszug auslassen, weil er ein paar Tage Bearbeitungszeit braucht
- Die Kündigungsfrist des aktuellen Mietvertrags übersehen, bevor man sich für eine neue Wohnung verpflichtet
- Davon ausgehen, dass die im Inserat genannten Nebenkosten alles abdecken (manche schliessen Heizung oder Parkplatz aus)
- Nicht abklären, ob die Wohnung möbliert, teilmöbliert oder leer ist
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Häufig gestellte Fragen
Mit wie vielen Wohnungsbesichtigungen sollte ich in der Schweiz rechnen?
Welche Unterlagen muss ich zu einer Wohnungsbesichtigung mitbringen?
Kann ich den Mietzins während der Besichtigung verhandeln?
Worauf sollte ich bei Heizung und Nebenkosten achten, bevor ich mich bewerbe?
Ist es normal, eine Wohnung zusammen mit mehreren anderen Kandidatinnen und Kandidaten zu besichtigen?
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